Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 16.05.2002

Dixieland-Party im Kuhstall

Das Jazzkränzchen Immergrün sorgt auf Gut Hub für Stimmung und Groove

Penzberg · Der Himmel ist traurig grau, über Nacht hat es sich abgekühlt, im alten Stall fällt schier der Putz von den Wänden und die Säulen unter dem Tonnengewölbe wirken auch schon etwas marode. Aber drinnen herrscht eine fröhliche, gar ausgelassene Stimmung: Das Weißbier schäumt üppig in den Gläsern, die Weißwürste sind um halb zwölf schon aus und über allem ertönt schwungvoller Dixieland: Zum Abschluss des Tollhub-Festivals hatte das Jazzkränzchen Immergrün (JIM) zum Frühschoppen geladen.
Und alle, alle sind sie gekommen. Anfangs standen die Tische noch etwas verloren im großen Kuhstall von Gut Hub. Doch das sollte sich schnell ändern. Noch vor Mittag wurde es so voll, dass Langschläfer draußen Platz nehmen mussten - Petrus hatte aber ein Herz für sie und fuhr eine ausreichende Portion Sonne auf.
Das richtige New Orleans Feeling sprudelte natürlich drinnen. Weißen Jazz à la carte bot die Münchner Traditionsband zu ihrem 40-jährigen Jubiläum. Mit "Up the lazy River", dem "Riverboat Shuffle" und anderen Ohrwürmern jazzten und groovten die sechs Amateurmusiker auf professionellem Niveau, boten abwechslungsreiche Soli und beherrschten perfekt sowohl die leisen als auch die schmetternden Töne.
Da ertönte die ganze Schwermut, aber auch der Frohsinn des traditionellen Jazz. Wunderbar Michael Etzels Gesangssoli im nasalen Klang der dreißiger Jahre, mit einer Wäscheklammer auf der Nase. Nicht enden wollender Applaus, natürlich besonders für den Lokalmatador der Truppe, den Sousaphonisten Uli Rau. Und als Zugabe drehten sie noch einmal richtig auf mit Louis Armstrong vor einem Publikum, das sich gar nicht lösen wollte. (Katrin Fügener)

JIM beim Tollhub-Festival in Penzberg
Foto: Breitwieser

Heizten im alten Kuhstall von Gut Hub ein: Die Traditionsband Jazzkränzchen Immergrün aus München.
Band-Info