Bericht des Traunsteiner Tagblatts vom 30.06.2007

Jazzfrühschoppen ohne Klemmen und Quietschen

Das "Jazzkränzchen Immergrün" spielte in Staudach mit 45-jähriger Routine

Am Samstag Regen und Gewitter, am Montag Hagel und Gewitter. Dazwischen machte Petrus mit wunderschönem Sommerwetter und strahlend blauem Himmel am Sonntagmorgen eine Pause und versetzte die vielen Gäste im Biergarten des Gasthofes Mühlwinkl in beste Laune. Da hätte das "Jazzkränzchen Immergrün" zum dortigen Frühschoppen eigentlich Unsinn produzieren können. Angesteckt von dieser wundervollen Atmosphäre geschah das aber gerade eben nicht, sondern die fünf gestandenen Münchner Musiker spielten erst recht die 45-jährige Erfahrung, Sicherheit und Bühnenperfektion aus. Da gab es einen runden vollen Klang, an dem nichts klemmte und quietschte.
Der Banjo-Spieler und Moderator Karl-Heinz Schmid nahm das Publikum mit auf eine lange Reise durch den Jazz, aus den Bordellen New Orleans mit dem dortigen frühen Jazz bis in die New Yorker Konzertsäle zu den Anfängen des Swing in New York. So erhielt die Musik viele Facetten, andere Stile und Stimmungen, an denen sich das Publikum erfrischen konnte. Erstaunlich war, wie gleichbleibend sicher sich dabei jeder der Musiker im wechselnden Stil zurechtfand.
Dass die ersten Musiker in New Orleans in den Etablissements nicht etwa deshalb mit verbundenen Augen spielen mussten, weil sie sonst rot geworden wären, sondern allein deshalb, weil die Mädels nur sehen sollte, wer zuvor auch gezahlt hatte, erfuhr man ebenso, wie von der Verstörtheit renommierter Konzertkritiker, die sich dem Neuen mit dem Kopf verschlossen, mit dem Bauch aber bereits dem Zauber der Musik erlagen.
Mit dem Bandleader Hartmut Ruther hat das Jazzkränzchen einen erfahrenen, außerordentlichen Posaunisten. Zwei Soli in zwei Stücken hintereinander auf dem Sousaphon ließen nicht nur Uli Rau atemlos werden, sondern das Publikum atemlos staunen. Hörenswert! Genauso zu erwähnen ist die erfahrene Trompete Michael Etzel, schnell und sauber bis in die höchsten Tonlagen oder die flotte, dann wieder gefühlvolle Klarinette von Gerald Groß, der sich dabei auf dem Saxophon genauso zu Hause fühlte. In das alles passte sich der Schlagzeuger Manfred Dworsky nahtlos ein.
Dabei lenkten die Musiker die Aufmerksamkeit auch immer wieder von großen Komponisten und Interpreten wie Duke Ellington und Louis Armstrong auf eher unbekannte Jazzgrößen mit abwechslungsreichen Stücken, so dass die Darbietung immer kurzweilig blieb.
Mal lustig und lebhaft, mal nachdenklich und bedächtig, immer zogen die Musiker das Publikum in den Bann, das mit lebhaftem Applaus und bester Laune dankte. Bis weit nach Mittag blieb der Eindruck von einer hochklassigen, erfahrenen Band mit einem breiten, runden Spektrum und einer äußerst gelungenen Präsentation anhand der Zeitgeschichte des Jazz.

lukk

Das JIM in Staudach-Egerndach

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